14.09.2015

Die Größe der Nürnberger Rostbratwurst

Das Geheimnis um die Größe der Nürnberger Bratwurst

Warum ist die Nürnberger Bratwurst so klein? Gerade mal 7 bis 9 Zentimeter ist sie lang und maximal 25 Gramm schwer. Das sind für eine Bratwurst wahrlich ungewöhnliche Maße. Wiegt doch die übliche Schweinsbratwurst zwischen 90 und 110 Gramm und ist mindestens 18 Zentimeter lang.

Die wahren Gründe für die Erfindung dieser kleinen Köstlichkeit liegen wohl Jahr-hunderte zurück. Seit 1313/1314 ist die anspruchsvolle Bratwursttradition im fränkischen Nürnberg belegt. Bereits damals durften nur spezialisierte Schweinemetzger die Nürnberger Bratwurst herstellen und mussten diese täglich den geschworenen Metzgern und Marktmeistern vorlegen. Von denen wurden sie strengstens nach Rezeptureinhaltung, Struktur, Fleischzusammensetzung und Wassergehalt geprüft. Wurden sie als minderwertig beanstandet, flogen sie in hohem Bogen in die Pegnitz.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde diese hochwertige Bratwurst für viele Metzger unwirtschaftlich, denn die zu erzielenden Marktpreise sanken immer weiter ab.

Doch die findigen Nürnberger hatten schnell eine Lösung parat. Sie erfanden die kleine Nürnberger Bratwurst und erreichen durch die hohen Stückzahlen einen attraktiven Kilopreis, der ungefähr sechsmal höher war als der bisherige.  
Für die Längenmessung wurde extra eine eigene Messgabel entwickelt. Gerne nutzt sie der 2. Vorstandsvorsitzende des Schutzverbandes Nürnberger Bratwürs-te e.V. Dr. Hartmut Frommer, um anschaulich die Kleinheit der Nürnberger Spe-zialitäten zu demonstrieren. 

Legenden und Kurioses um 7 Zentimeter 

Viele vergnügliche Legenden ranken sich um die Größe der Nürnberger Rostbratwurst.
Danach ist die Spezialität so klein, weil…

Legende 1:
Die alte Noris besaß nicht nur die meisten, sondern auch die allerkleinsten Wirtsstuben. Dem mussten sich die „Wörschdla“   anpassen – die dicken „Fränkischen“ hätten die Dimensionen von Küche und Gasträumen jederzeit gesprengt. 

Legende 2: 
Nirgends waren – und sind – die Qualitätskontrollen so scharf wie in Nürnberg. Während sonst bei Teuerungen der Ausweg im minderwertigen Material bestand, blieb den Nürnberger Metzgern nur Qualität statt Quantität. Dies entspricht auch dem örtlichen Naturell: lieber klein und fein als groß und nix los.
 
Legende 3:

Kaspar Hauser war in seinem einsamen Kerker vegetarisch ernährt worden und wehrte sich deshalb gegen alles Fleischliche. Da halft nur eine Zuführung in homöopathischen Dosen: erst dies bedingte den durchschlagenden Erfolg für die Nürnberger Bratwurstminiaturausgabe.
 
Legende 4:

Ein verräterisches Reskript des Rates von 1540 erlaubt den (selbstwurstenden) Garköchen die Unterschreitung des Normgewichts, wenn sie die Bratwürste nicht außer Hauses feil halten. Sollte die Miniaturisierung eine Folge der den Wirten entgegenkommenden Politik des Rates sein?
 
Legenede 5, 6 und 7:

Die Nürnberger Rostbratwürste sind so klein, damit
5. sie nach der Sperrstunde von den Wirten noch durchs Schlüsselloch gereicht
6. nach Schließung der Stadttore den Spätankömmlingen noch Zehrungen (ebenfalls durchs Schlüsselloch) gewährt
7. die Gefangenen durch eigens in die Wände gebohrte Löcher (deshalb Lochgefängnis!) versorgt werden können.
 
Legende 8: 
Hans und Grete aus Fürth haben von der Nürnberger Wunschring-Fee drei Wünsche erbeten. Wieder heimgekehrt, wollen sie – bevor sie sich entscheiden – Bratkartoffeln verspeisen. Als es in der Pfanne brutzelt, wünscht sich Grete nichts sehnlicher dazu als eine dicke fränkische Bratwurst – und päng! Schon brutzelt sie mit. Erbost ruft Hans: Oh – klebte die Wurst dir doch unter Nase – und dautz! Schon klebte sie dort. Da blieb den beiden nur, die elende Wurst zum Teufel zu wünschen.

Pressekontakt

Schutzverband Nürnberger Bratwürste e.V.
Trödelmarkt 58
90403 Nürnberg
Tel. 0911/9373877
Fax. 0911/9375289
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